Was machen Emanzen aus? Bin ich eine? Ich stehe mit beiden Beinen fest auf dem Boden, habe einen guten Job. Mein Alltag besteht rund um die Uhr aus Verantwortung. Es gibt viele Männer, die mir nicht die Stirn bieten können. Es gibt auch viele, die das mir gegenüber direkt zugeben. Das macht mich stolz. Vielleicht auch ein wenig eingebildet. Aber zurecht. Im ersten Moment mache ich einen sehr selbstbewußten Eindruck. Im ersten Moment. Jeder, der mich kennt weiß, dass ich mir nichts mehr wünsche, als manche Entscheidungen abgenommen zu bekommen. Selbst wenn es so was banales wie "was soll ich heute kochen" ist. Es macht mich müde über solche Dinge nachzudenken. Ist das eine Schwäche? Wenn es eine ist, zeige ich sie gerne. Es ist schwer, finde ich, einen Partner zu finden oder zu haben, der es auf Dauer mit mir aushält. Ich erwarte sehr viel. Ja, meine Erwartungen müssen über dem stehen, was ich alltäglich zu leisten und zu entscheiden habe. Oder bin ich einfach nur eine "starke" Frau, die einen noch stärkeren Mann braucht? Man sagt ja, dass hinter jedem starken Mann eine noch stärkere Frau steht. Ja, ich denke, auch hier kann ich mich dazu zählen. Mein Mann ist stark. Anderen gegenüber. So wie ich. Selbstsicher nach außen, verletzbar nach innen. Dennoch kennt man sich mittlerweile so gut, dass man genau spürt, wie man in schwierigen Situationen miteinander umgehen muss. Ich weiss noch, wie unsicher ich war, als ER zum ersten mal vor mir geheult hat. Ich konnte damit nicht umgehen. Ich war geschockt, hilflos. Mir scheint, ich war hilfloser als er in diesem Moment. Ich denke, er hat es gemerkt. Er hat mir geholfen, indem er einfach sagte: Bitte umarme mich, Schatz! Und da wußte ich: Egal, wie stark oder emanzipiert ich bin, ER schafft es, mich mit einfachen Sätzen empor zu heben und mich zu lieben, wie ich bin!